01.08.2022

08/2022 Vorteile der Gebäudebegrünung

Klimaschutz

Foto: Foto: Wolfgang Heidenreich

"Grün ist nicht alles, aber ohne Grün ist alles nichts."

Hans-Hermann Bentrup, deutscher Agrarökonom

In dicht bebauten Kommunen treffen die Auswirkungen des Klimawandels die Menschen in besonderem Maße. Immer häufiger auftretende Hitzetage und immer geringere nächtliche Abkühlung machen ihnen zu schaffen. Abkühlung bringt Linderung, aber wie lässt sich diese erreichen?

Die Lösung ist, Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel umzusetzen. Effektive Maßnahmen sind das Pflanzen von (Straßen-)Bäumen, das Entsiegeln und Begrünen von Höfen und Plätzen sowie das Begrünen von Gebäuden (Dach- und Fassadenbegrünung).

Extensive Dachbegrünung

Schon der Schutz mit einer extensiven Dachbegrünung, die nur eine geringe Dachsubstratschicht aufweist, verhindert extreme Temperaturschwankungen in der Konstruktion. Zum Beispiel weist ein mit Kies bedecktes Flachdach an einem heißen Sommertag auf der Dachabdichtung eine enorm hohe Temperatur auf, die bei einem Gewitterschauer in extrem kurzer Zeit erheblich abkühlt. Das ständige Ausdehnen und Zusammenziehen der Dachabdichtung lässt sie wesentlich schneller altern, als wenn sie durch eine Begrünung davor geschützt ist. In diesem Fall steigt die Temperatur auf der Dachabdichtung vom Winter zum Sommer langsam an, um dann im Herbst allmählich wieder zu fallen. Forschungen weisen nach, dass ein extensiv begrüntes Dach mehr als doppelt so lang halten kann wie ein kiesbedecktes Dach. Man spricht von vierzig Jahren ohne Undichtigkeit. Außerdem wird Niederschlagswasser gespeichert und verzögert an den Kanal weitergeleitet. Das ist von besonderer Bedeutung bei Starkregenereignissen.

Intensive Dachbegrünung

Eine intensive Dachbegrünung weist selbstverständlich alle Vorteile einer extensiven auf. Zusätzlich kann sich aufgrund der höheren Dachsubstratschicht eine größere Biodiversität einstellen. Gerade in Ballungsräumen wird es immer beliebter, die Flachdächer zum Gärtnern zu nutzen. Bei gleichbleibenden oder schrumpfenden Freiflächen und starkem Ansteigen der Bewohnerzahl kann das Nutzen der Dächer sogar als ein Muss betrachtet werden. Die Konkurrenz zu Photovoltaikanlagen auf Flachdächern lässt sich durch die Nutzung von Steildächern zur Stromerzeugung abmildern. Fassadenbegrünung Soll eine dauerhafte und damit nachhaltige Fassadenbegrünung gelingen, müssen der Fassadenaufbau, die eventuelle Kletterhilfe, die Kletterstrategie und das Wuchsverhalten der Pflanzen aufeinander abgestimmt sein. So lassen sich oft zu Unrecht befürchtete Schäden an der Fassade durch die Kletterpflanzen verhindern und die zuvor beschriebenen Vorteile können sich einstellen. Bei vorhandenen Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) und hinterlüfteten Fassaden dürfen z.B. keine Selbstklimmer wie Efeu oder Wilder Wein zum Einsatz kommen, weil sie zu viel Gewicht haben und/oder aufgrund ihrer lichtfliehenden Triebe (sog. negativer Phototropismus) hinter die Fassadenplatten wachsen. Hier sind Kletterhilfen für Schlinger und Ranker erforderlich, die sich nicht ohne Weiteres am WDVS oder an Fassadenplatten befestigen lassen. Eine Lösung kann in diesem Fall sein, Laubengänge, Balkone und Absturzsicherungen für bodentiefe Fenster als Kletterhilfe zu nutzen.

Wichtig: Frühzeitige Planung

Die Gebäudebegrünung darf nicht als "Nice to have" oder Dekoration angesehen werden, sondern ist eine wichtige Klimaanpassungsmaßnahme. Von Anfang an eingeplant, ist der Schutz des Gebäudes mittels Pflanzen kostengünstiger zu realisieren als später bei Nachrüstungen oder Sanierungen, bei denen eine Beratung durch Fachleute sehr empfohlen wird. Aus statischen Gründen können Dächer meist nicht nachträglich begrünt werden. 

Wenn Sie weitere Fragen zu Gebäudebegrünung, Klimaanpassungsmaßnahmen oder generell zum nachhaltigen Planen, Bauen und Förderungen haben, wenden Sie sich gerne direkt und kostenfrei an die Expertinnen und Experten der BEN – Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit: E-Mail: ben@remove-this.byak.de; Tel.: 089 139880 88; www.byak-ben.de

Autor: Wolfgang Heidenreich

Weiterführende Links

Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (bundesweit/Bayern)

Förderprogramme (Kredite, Zuschüsse) der KfW-Unternehmen: Wohnungswirtschaft

Privatpersonen: z.B. Energetische Sanierung, Sonnenschutz, PV-Anlage, auch Barrierefreiheit

Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen (BMU)
Förderung im Bestand für Kommunen und Private, die sich an kommunale, kirchliche, freie Träger sozialer Einrichtungen, Verbände, gemeinnützige juristische Personen (soziale Arbeit/Wohlfahrtspflege) richtet. Förderinhalte sind Beratung und Konzepte, investive Maßnahmen, Kampagnen und Weiterbildungen/Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH

Förderfibel Umweltschutz und Energie Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU). Umweltpakt Bayern

München Förderprogramm „GRÜN in der Stadt“, Referat für Klima- und Umweltschutz

[Die Links wurden zuletzt geprüft am 26.07.2022]

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