01.04.2024

04/2024 Hinweiskarte für Bayern: Risiken durch Starkregen frühzeitig einschätzen

Klimaschutz

Foto: Foto: Bayerisches Landesamt für Umwelt, www.lfu.bayern.de

"Starkregen kann überall auftreten und den kleinsten Bach zum reißenden Fluss machen."

Thorsten Glauber, Bayerischer Umweltminister

Risiko wird häufig unterschätzt

Starkregen und Sturzfluten bergen erhebliche Risiken für Menschen, Infrastrukturen und Immobilien mit sich. Häufig fehlt das Bewusstsein, dass Starkregenereignisse überall in Deutschland auftreten können, dass bisher unbekannte Niederschlagsmengen möglich sind und dass die Vorwarnzeiten sehr kurz sind. Durch den Klimawandel verschieben sich Niederschläge im Jahresverlauf. In niederschlagsreichen Phasen können zudem hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit dazu führen, dass Starkregenereignisse an einer bestimmten Stelle nahezu ortsfest auftreten. Häufig ist eine Versickerung aufgrund der Land- und Flächennutzung nicht möglich, in urban-verdichteten Bereichen beispielsweise durch eine hohe Versiegelung und überlastete Entwässerungssysteme. In landwirtschaftlichen Bereichen können intensiv genutzte Flächen aufgrund von Übersättigung oder Trockenheit oft kein Wasser mehr aufnehmen. Die Wassermengen akkumulieren sich und fließen an der Oberfläche weiter. Man spricht von Oberflächenabfluss oder einer Sturzflut. Hohe Fließgeschwindigkeiten, in den Fluten mitgerissene Gegenstände oder überflutete Keller und Unterführungen können zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Kommunale Vorsorge und Risikomanagement

Eine Möglichkeit, die mögliche Betroffenheit zu evaluieren bieten sogenannte Starkregengefahrenkarten, die als Teil eines kommunalen Sturzflutrisikomanagements erstellt werden. Grundlage bildet ein digitales Geländemodell, das Informationen zur Topografie und zum Versiegelungsgrad unterschiedlicher Flächen enthält. Unter der Annahme, dass keine Versickerung stattfindet, wird das Geländemodell in einer hydrologischen Simulation "beregnet": Wo gibt es Senken, in denen sich abfließendes Wasser sammelt? Welche Wasserhöhe ist hier möglich? Wo befinden sich Hänge oder abfallende Straßen, auf denen sich das Wasser seinen Weg sucht? Welche Fließgeschwindigkeiten können hier auftreten? Kommunen und Einsatzkräfte können die Ergebnisse nutzen, um gefährdete Orte zu identifizieren und ihre Einsatzpläne für den Ernstfall vorzubereiten. Obwohl die Erstellung von Starkregengefahrenkarten im Zuge eines kommunalen Sturzflut-Risikomanagements gefördert wird, zögern manche Kommunen noch mit der Umsetzung.

Hinweiskarten im Umweltatlas als erstes Informationsangebot

Seit Februar 2023 ist die "Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Starkregen (HiOS)" als Teil des Umweltatlas online verfügbar. Die Karten bieten die einfache Möglichkeit, eine erste Einschätzung zu starkregensensiblen Bereichen in Kommunen oder im Umfeld privater Liegenschaften zu treffen. Sie ersetzen kein kommunales Sturzflutmanagement, können aber eine Grundlage darstellen. Im Unterschied zu den Starkregengefahrenkarten liegt keine hydrologische Simulation zugrunde. Die Darstellungen leiten sich allein aus dem Geländemodell, der Topografie und der Oberflächennutzung ab. Dargestellt sind mögliche Fließwege, Senken und Aufstaubereiche in unterschiedlichen Intensitätsstufen. Private Eigentümerinnen und Eigentümer, Planende sowie Kommunen können so mögliche Risikobereiche und Gefahren erkennen und weitere Schritte in Erwägung ziehen. Unmittelbare rechtliche oder planerische Folgen resultieren aus den Hinweisen nicht. Sie können jedoch eine zusätzliche Information für Planungsentscheidungen oder Abwägungsprozesse darstellen.

Sie haben Fragen zu den Risiken durch Starkregenereignisse und den Hinweiskarten?

Lassen Sie sich kostenfrei beraten bei der Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der Bayerischen Architektenkammer! ben@byak.de; Tel.: 089 139880 88; www.byak-ben.de

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[Die Links wurden zuletzt geprüft am 30.03.2024]

Autor: Markus Weinig

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