Bezahlbar, barrierefrei, gemeinschaftlich: Mehrgenerationenwohnen in Freising

  • Zeitraum: April 2026
  • Beratungsschwerpunkt:
    • Planen & Bauen
Großzügige Laubengänge mit Aufweitungen entsprechen zum einen den Kriterien der Barrierefreiheit, sie dienen aber auch mit Sitzgelegenheiten dem Aufenthalt und dem Austausch der Bewohnenden. Niedrige Fenster und durchsehbare Brüstungen gewährleisten auch für Rollstuhlfahrende freie Sicht.
Breiter, überdachter Laubengang mit schwellenlosen Wohnungseingängen und Blick in den gemeinschaftlichen Innenhof des Mehrgenerationenwohnens in Freising.

Großzügige Laubengänge mit Aufweitungen entsprechen zum einen den Kriterien der Barrierefreiheit, sie dienen aber auch mit Sitzgelegenheiten dem Aufenthalt und dem Austausch der Bewohnenden. Niedrige Fenster und durchsehbare Brüstungen gewährleisten auch für Rollstuhlfahrende freie Sicht.

Foto: Florian Schreiber

Wie lässt sich bezahlbarer Wohnraum schaffen, ohne an Qualität zu verlieren? Und wie kann ein Wohnprojekt gleichzeitig den Anspruch erfüllen, für möglichst viele Nutzergruppen zugänglich und nutzbar zu sein? Mit dem Projekt „Städtisches Mehrgenerationenwohnen“ im Stadtteil Lerchenfeld zeigt die Stadt Freising gemeinsam mit eap architekten, wie sich bezahlbarer Wohnraum und konsequent umgesetzte Barrierefreiheit verbinden lassen.

Das Wohnprojekt von eap Architekten.Stadtplaner aus München richtet sich bewusst an unterschiedliche Nutzergruppen. Die Bandbreite reicht von kompakten Ein-Zimmer-Wohnungen bis hin zu größeren Einheiten für Familien. Die Grundrisse sind so angelegt, dass verschiedene Lebensformen möglich sind – etwa Wohngemeinschaften oder gemeinschaftliche Wohnmodelle. Unterstützt wird das Zusammenleben durch eine Quartiersbetreuung, die Aktivitäten koordiniert und Engagement bündelt. Ausgangspunkt war im Jahr 2016 die Praxisstudie „Bezahlbare Qualität im Wohnungsbau“ des Bayerischen Innenministeriums. Freising war eine von neun Modellkommunen, die sich mit der Frage beschäftigten, wie sich wirtschaftlich tragfähige Wohnungen mit guter Nutzungsqualität realisieren lassen. Im Fokus standen dabei unter anderem effiziente Grundrisse mit hohem Wiederholungsfaktor, ein reduzierter Technikeinsatz und das kritische Hinterfragen bestehender Standards, begleitet bereits in einer frühen Konzeptphase Null von einem Fachgremium.

Barrierefrei erschlossene Wohngebäude mit gemeinschaftlich nutzbaren Freiräumen und Innenhöfen, die Begegnung und nachbarschaftliches Miteinander fördern.
Mehrgeschossiges Wohngebäude mit barrierefrei zugänglichem Eingangsbereich und Rampen entlang des Gehwegs.

Barrierefrei erschlossene Wohngebäude mit gemeinschaftlich nutzbaren Freiräumen und Innenhöfen, die Begegnung und nachbarschaftliches Miteinander fördern.

Foto: Florian Schreiber
Begrünter Innenhof mit Wohngebäuden, Laubengängen und gemeinschaftlich genutzten Aufenthaltsbereichen.

Foto: Dirk Daniel Mann

Verdichtung mit Qualität

 

Als Standort wurden zwei Grundstücke in der Katharina-Mair-Straße im Stadtteil Lerchenfeld gewählt. Die Lage am Rand der Innenstadt verbindet eine gute Infrastruktur mit kurzen Wegen in die Stadt und zu den Naherholungsräumen entlang der Isar. Um ausreichend Wohnraum zu schaffen, wurde der bestehende Bebauungsplan des Quartiers angepasst und das Baurecht erhöht. So konnten sechs Gebäude realisiert werden, die sich in zwei Baufeldern um jeweils einen Innenhof gruppieren. Überwiegend verbinden Laubengänge die viergeschossigen Häuser, ergänzt durch ein fünfgeschossiges Gebäude, das den Quartiersplatz zur Straße hin räumlich fasst und stärkt. Insgesamt entstanden 111 barrierefreie Wohnungen sowie ergänzende Gemeinschaftsnutzungen wie Café, Werkstatt und ein Büro für die Quartiersbetreuung. Der Schwerpunkt liegt auf kleineren Wohnungen: Rund zwei Drittel entfallen auf Ein- und Zwei-Zimmer-Typen, ergänzt durch größere Einheiten bis hin zu familiengeeigneten Wohnungen. Die Flächen liegen dabei im Durchschnitt unter den Vorgaben der Wohnraumförderung – ein wichtiger Beitrag zur Bezahlbarkeit.

Funktional und barrierefrei gestaltet: Großzügige Wohnbereiche und kompakt organisierte Sanitärbereiche unterstützen unterschiedliche Wohn- und Lebensformen.
Heller, großzügiger Wohnraum mit offenen Übergängen, breiten Durchgängen und Zugang zu Balkonbereichen.

Funktional und barrierefrei gestaltet: Großzügige Wohnbereiche und kompakt organisierte Sanitärbereiche unterstützen unterschiedliche Wohn- und Lebensformen.

Foto: Florian Schreiber
Barrierefrei gestaltetes Badezimmer mit bodengleicher Dusche, wandhängendem Waschbecken und großzügigen Bewegungsflächen

Foto: Florian Schreiber

Barrierefreiheit als Standard

Ein zentrales Merkmal des Projekts ist die durchgängig barrierefreie Ausführung im Sinne von Universal Design: Alle 111 Wohnungen sowie sämtliche Gemeinschaftsbereiche sind barrierefrei nutzbar, vier Wohnungen wurden darüber hinaus vollständig rollstuhlgerecht ausgeführt. Alle Gebäude sind schwellenlos erschlossen. Aufzüge und Rampen verbinden alle Ebenen – vom Keller bis zu den gemeinschaftlich genutzten Dachgärten. Auch die Freiräume sind integraler Bestandteil dieses Konzepts. Ein zusammenhängendes Wegesystem mit sanften Rampen erschließt die Außenanlagen und ermöglicht eine komfortable Nutzung ohne Barrieren.

Farbgestaltung und gemeinschaftlich nutzbare Erschließungsbereiche unterstützen Orientierung, Begegnung und barrierefreie Nutzung im Gebäude.
Innenraum mit breitem Flur, Treppe und großflächigen Verglasungen; eine kräftig rote Wand setzt einen deutlichen Farbakzent.

Farbgestaltung und gemeinschaftlich nutzbare Erschließungsbereiche unterstützen Orientierung, Begegnung und barrierefreie Nutzung im Gebäude.

Foto: Florian Schreiber
Heller Erschließungsbereich mit Aufzug, Oberlicht und grün gestalteten Wänden als prägnantes Orientierungselement

Foto: Florian Schreiber

Erschließung mit Mehrwert

Die Erschließungsbereiche sind bewusst großzügig angelegt und übernehmen zusätzliche soziale Funktionen. Die Laubengänge dienen nicht nur dem Zugang zu den Wohnungen, sondern werden als halbprivate Freibereiche aktiviert. Aufweitungen vor den Wohnungseingängen und integrierte Sitzmöglichkeiten schaffen Aufenthaltsqualität und fördern die Nachbarschaft. Niedrige Fensterbrüstungen ermöglichen auch Menschen im Rollstuhl eine selbstverständliche Teilhabe. Großzügige Treppenhäuser erweitern als „Stadtloggien“ die klassischen Verkehrsflächen um gemeinschaftlich nutzbare Bereiche und stärken damit die soziale Interaktion im Haus.

Orientierung und Zugänglichkeit

Neben der baulichen Zugänglichkeit wurde auch die Orientierung gezielt berücksichtigt. Ein Farbkonzept unterstützt die Wegeführung innerhalb der Gebäude. Unterschiedlich gestaltete Höfe und Freiräume sowie der zentrale Quartiersplatz erleichtern die räumliche Zuordnung. Auch technische Details wie gut erreichbare Klingelanlagen auf einer Höhe von 85 cm oder Aufzüge mit Sprachansage tragen zur Barrierefreiheit bei. Damit wird gewährleistet, dass sich auch Menschen mit Beeinträchtigungen selbstständig im Quartier bewegen können.

Café und Dachgarten ergänzen die Wohnungen um gemeinschaftlich nutzbare Orte im Alltag.
Innenraum eines Cafés mit runden Holztischen, schwarzen Stühlen, grüner Sitzbank, blauen Vorhängen und einer Wandverkleidung aus Holzlamellen

Café und Dachgarten ergänzen die Wohnungen um gemeinschaftlich nutzbare Orte im Alltag.

Foto: Florian Schreiber
Dachfläche mit bepflanzten Hochbeeten, Plattenwegen, Metallgeländer und weitem Blick über Dächer und Bäume.

Foto: eap

Wohnen für viele Lebensentwürfe

Das Wohnungsangebot ist bewusst breit gefächert und ermöglicht einen vielfältigen Bewohnermix – den sogenannten „Freisinger Mix“. Hier leben Auszubildende, Studierende, Familien, ältere Menschen und Wohnberechtigte unterschiedlicher Einkommensstufen zusammen. Die Grundrisse unterstützen diese Vielfalt. Hierarchiefreie Wohnungszuschnitte ermöglichen unterschiedliche Nutzungen, etwa für Wohngemeinschaften oder gemeinschaftliche Wohnformen. In größeren Wohnungen sind flexibel nutzbare Bereiche vorgesehen, die beispielsweise zum Arbeiten, Spielen oder als Rückzugsort dienen können. Auch die Sanitärbereiche sind funktional optimiert. Insbesondere kompakt organisierte Duschbäder tragen dazu bei, die Wohnungen insgesamt barrierefrei nutzbar zu halten.

Ein Modell mit Signalwirkung

Das Mehrgenerationenwohnen in Freising zeigt, wie Barrierefreiheit und bezahlbarer Wohnungsbau zusammen gedacht werden können. Entscheidend ist dabei der ganzheitliche Ansatz von der Wohnung über die Erschließung bis in die Freiräume. So entsteht ein Wohnumfeld, das nicht nur funktional zugänglich ist, sondern auch soziale Teilhabe ermöglicht. Dass die Wohnungen nicht nach klassischen Kriterien, sondern über ein Punktesystem vergeben werden, das unter anderem soziales Engagement und gemeinschaftliches Verhalten berücksichtigt, unterstreicht diesen Anspruch und stärkt gezielt eine vielfältige, aktive Hausgemeinschaft.

Planmaterial:

Ansichten (© eap)

Ansichten (© eap)

Grundrisse Erdgeschoss der Bauabschnitte A und B (© eap)

Grundrisse Erdgeschoss der Bauabschnitte A und B (© eap)

Grundrisse Obergeschoss der Bauabschnitte A und B (© eap)

Grundrisse Obergeschoss der Bauabschnitte A und B (© eap)