Actionsportzentrum Pasing verbindet Inklusion, Sport und Denkmalschutz

  • Zeitraum: August 2025
  • Beratungsschwerpunkt:
    • Planen & Bauen

In der Eggenfabrik entstand durch Behnisch Architekten ein inklusives Actionsportzentrum mit barrierefreiem Zugang, taktilem Leitsystem und WCMX-tauglicher Halle – ein Ort für Sport und Teilhabe.

Durch den Umbau und die energetische Sanierung der denkmalgeschützten Eggenfabrik im Zuge des ersten BA, wurde ein neues Zuhause für Trendsportarten wie Skateboarding, WCMX und BMX geschaffen
Blick in die sanierte Fabrikhalle: Die helle, denkmalgeschützte Halle mit sichtbarer Stahlstruktur, gelber Galerie und PV-Dach beherbergt unterschiedliche Skateflächen.

Durch den Umbau und die energetische Sanierung der denkmalgeschützten Eggenfabrik im Zuge des ersten BA, wurde ein neues Zuhause für Trendsportarten wie Skateboarding, WCMX und BMX geschaffen

Foto: David Matthiessen

Mit dem neuen Sportzentrum in München-Pasing ist der Landeshauptstadt München ein wegweisendes Projekt gelungen, das Actionsport, Inklusion und Denkmalschutz auf bemerkenswerte Weise miteinander verbindet. Die Planung und Umsetzung wurde von Behnisch Architekten verantwortet, unterstützt von einem interdisziplinären Team und mit intensiver Beteiligung der späteren Nutzerinnen und Nutzer. Unter der Projektleitung von Maria Hirnsperger, Partnerin bei Behnisch Architekten, wurde in der ehemaligen Eggenfabrik ein modernes Zentrum für Actionsportarten geschaffen – offen für Skateboard-, BMX- und WCMX- (Wheelchair Motocross) Sportlerinnen und Sportler aller Altersgruppen und Erfahrungsstufen. Das Transformationsprojekt vereint sportliche Innovation, soziale Teilhabe und nachhaltige Architektur zu einem Vorzeigeprojekt urbaner Entwicklung.

Person im Rollstuhl mit Helm und Schutzausrüstung blickt in die Skateanlage, im Hintergrund  weitere Sportlerinnen und Sportler – teils im WCMX-Rollstuhl.

BMX- und WCMX-Sportlerinnen und Sportler beim Training in der neuen barrierefreien Halle
Person im WCMX-Rollstuhl und Person auf BMX-Rad in Skatehalle – beide tragen Helme, im Hintergrund weitere WCMX-Sportler auf der Fläche.

BMX- und WCMX-Sportlerinnen und Sportler beim Training in der neuen barrierefreien Halle

Foto: CASA / https://www.casamuc.com/

Barrierefreiheit als Grundprinzip

Schon zu Beginn der Planung wurde ein umfassendes Gesamtkonzept zur Barrierefreiheit in enger Zusammenarbeit mit den Expertengruppen des Sportreferats, des Baureferats sowie des Sozialreferats entwickelt. Das Ziel war klar: Alle Menschen, unabhängig von körperlichen Einschränkungen, sollten das Gebäude und die Freianlagen in gleicher Weise nutzen können. Entsprechend wurden alle Bereiche – mit Ausnahme der Stahlgalerie – schwellenlos erschlossen. Ein taktiles Leitsystem führt vom Außenraum über den Eingang und den Empfangstresen bis in die Halle und zu den Sanitäreinrichtungen. Treppen wurden visuell kontrastreich gestaltet, Handläufe taktil beschriftet und über die Stufenenden hinausgeführt. Die Halle verfügt zudem über eine Beschallungsanlage, die das Aufschalten auf Hörgeräte ermöglicht – ein klares Zeichen für sensorische Inklusion. Auch das Nutzungskonzept des Zentrums ist auf Inklusion ausgelegt: Die große Skatehalle wurde gezielt so gestaltet, dass sie von WCMX (Wheelchair Motocross) Sportlerinnen und Sportlern genutzt werden kann. Im Außenbereich wurden verschiedene Sportangebote wie Tischtennis, 3x3-Basketball und eine Slackline eingerichtet. Auch wenn nicht jedes Element für alle aktiv nutzbar ist, wurde der gesamte Freiraum barrierefrei erschlossen – mit stufenlosem Zugang, Orientierungshilfen und Aufenthaltsflächen, die Teilhabe ermöglichen. Sitzbänke, Spiel- und Sportbereiche wurden ohne Höhenunterschiede gestaltet und sind somit für alle zugänglich. Eine barrierefreie Toilette ergänzt die Infrastruktur. Ein taktiles Leitsystem verbindet dabei die Freiräume mit dem Haupteingang und den Sanitäranlagen. Das gesamte Projekt steht damit für eine neue Qualität inklusiver Sportangebote im öffentlichen Raum. Sport soll ein verbindendes Element sein – ein Moment des Miteinanders, der Begegnung und des Austauschs. Das Betreiberkonzept des gemeinnützigen Vereins High Five e.V. unterstützt das Ziel eines offenen und inklusiven Angebots für alle.

Die neu eingezogene Galerie ermöglicht eine kommunikative Fläche mit spektakulärem Blick auf die Sportfläche
Innenansicht des Skateparks mit gelber Stahlgalerie vor einer großzügig verglasten Fensterfront.

Die neu eingezogene Galerie ermöglicht eine kommunikative Fläche mit spektakulärem Blick auf die Sportfläche

Foto: David Matthiessen

Denkmalgerecht und zukunftsfähig

Neben der sozialen Komponente überzeugt das Projekt auch ökologisch. Die Sanierung der Fabrik erfolgte nach dem „Adaptive Reuse“-Prinzips, wodurch erhebliche Mengen an CO₂ und Baumaterial eingespart werden konnten. Die neue Decke besteht aus einer leichten Holzrahmenkonstruktion mit Kassettenstruktur, die die alte, nicht mehr tragfähige Betondecke ersetzt. Das Energiekonzept sieht den Anschluss an das Münchner Fernwärmenetz sowie eine Photovoltaikanlage mit 24 kWp Leistung vor. Im Oberlicht wurde eine integrierte PV-Lösung verbaut, die nicht nur Strom erzeugt, sondern auch den Wärmeeintrag reduziert. Auf weitere Verschattungssysteme konnte dadurch verzichtet werden. Lüftung und Kühlung erfolgen über natürliche Belüftung und Nachtauskühlung. Dank dieser Maßnahmen konnte der Energieverbrauch um 58 Prozent gegenüber der EnEV-Anforderung reduziert werden. Die hohe Raumhöhe und das große Luftvolumen der Halle ermöglichen eine sensorisch gesteuerte Frischluftzufuhr durch bodennahe Zuluftklappen und Abluftführung über das Oberlicht. Dieses einfache aber effiziente Lüftungskonzept verzichtet bewusst auf mechanische Lüftungsanlagen. Ergänzend schützt ein mobiler Sonnenschutz an der Südfassade vor sommerlicher Überhitzung. Der umgebende Freiraum wurde gezielt für eine vielfältige Nutzung gestaltet: Bepflanzungen spenden Schatten, verbessern das Mikroklima und fördern die Biodiversität. Sitzgelegenheiten machen den Ort auch für Anwohnerinnen und Anwohner attraktiv. Die Westfassade wurde mit einer bodengebundenen Fassadenbegrünung versehen, die sich harmonisch in das denkmalgeschützte Erscheinungsbild einfügt und zur Kühlung sowie zur optischen Aufwertung beiträgt. Alle dienenden Funktionen wie z. B. Sanitäranlagen wurden in Interim-Containern untergebracht, deren Fassaden von lokalen Künstlerinnen und Künstlern als Street-Art-Flächen gestaltet werden.

EG Grundriss der umgenutzten und sanierten Halle inklusive Interimsbauten und Freifläche

EG Grundriss der umgenutzten und sanierten Halle inklusive Interimsbauten und Freifläche

Foto: Behnisch Architekten

Modellprojekt für barrierefreie Bestandsentwicklung

Das Actionsportzentrum in München-Pasing zeigt eindrücklich, wie vielfältige Anforderungen – Denkmalschutz, Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und urbane Nutzungsqualität – in einem Projekt zusammengeführt werden können. Die konsequente Einbindung der Nutzenden, die offene Gestaltung der Räume und das inklusive Architektur- und Betriebskonzept machen es zu einem lebendigen Ort für Bewegung, Austausch und Teilhabe. Die Planung wurde so angelegt, dass perspektivisch ein zweiter Bauabschnitt in Holzhybridbauweise möglich ist – mit Parkour-Anlage, Bowl, Dirtbike-Line und Café. Die bestehende Fläche wird zunächst als naturnaher Bewegungsraum genutzt und folgt dem Schwammstadtprinzip für Regenwassermanagement. Im Zuge des zweiten Bauabschnitts wird dann auch die Galerie rollstuhlgerecht erschlossen. Für die Beratungsstelle Barrierefreiheit ist das Projekt ein Musterbeispiel dafür, wie Barrierefreiheit nicht nur gesetzlich erfüllt, sondern gestalterisch integriert und gesellschaftlich wirksam umgesetzt werden kann. Das Projekt zeigt, wie selbstverständlich barrierefreie Konzepte heute Teil guter Stadtentwicklung sind. Es wird deutlich: Wenn Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht wird, entstehen Orte, die nicht nur funktionieren, sondern gesellschaftlich wirken. Zu Recht wurde das Actionsportzentrum von der ByAK mit dem Prädikat KlimaKulturKompetenz in den Kategorien Energieeffizienz, Klimaanpassung und Barrierefreiheit ausgezeichnet.