Wie wird Digitalisierung zum Erfolgsfaktor beim Planen und Bauen?
Veranstaltungen BIM
Veranstaltung "BIM in der Praxis" bringt Planung und Bauhandwerk ins Gespräch
Wenn digitale Prozesse auf der Baustelle funktionieren sollen, braucht es mehr als Software und Standards: Es braucht gute Zusammenarbeit und einen offenen Austausch zwischen den Beteiligten. Nur wenn Planende und Ausführende frühzeitig und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, kann Building Information Modeling (BIM) seine Stärken voll ausspielen.
Wie das in der Praxis gelingen kann, zeigte der „Regionale Erfahrungsaustausch: BIM in der Praxis“, am 14. Juli 2025, im Haus der Architektur in München. Rund 70 Teilnehmende folgten der Einladung der Bayerischen Architektenkammer und des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen, die gemeinsam als Mitglieder des BIM Clusters Bayern unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr einen praxisnahen Dialog zwischen Architektur und Handwerk initiierten.
Bei der Eröffnung machten David Meuer, Vorstandsmitglied und Moderator des Tages, sowie Laura Lammel, Vizepräsidentin Süd des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen, deutlich, dass Digitalisierung im Bauwesen kein Selbstzweck ist – sondern dann echten Mehrwert bietet, wenn Prozesse gemeinsam gedacht und umgesetzt werden. Rainer Post, Vorstandsmitglied der Bayerischen Architektenkammer, dokumentierte mit seinem Best Practice Beitrag, wie sich BIM-Planungsmethodik sinnvoll in klassische Planungsabläufe integrieren lässt. Mario Mirbach, Mitglied der Strategiegruppe Digitalisierung der Bayerischen Architektenkammer, stellte vor, wie serielles Planen und Bauen durch eine parametrisierte und bauteilbezogene Planung effizient umgesetzt werden kann. Ein besonders anschauliches Beispiel für gelebte Kooperation lieferten Markus Maasberg (Behm.Maasberg Architekten) und Martin Grundner (Schreinerei Grundner GmbH). Sie zeigten, wie sich Gebäudeplanung und Möbelbau vom Entwurf bis zur Realisierung eng verzahnen lassen. Auch zahlreiche weitere Referierende präsentierten gemeinsam mit ihren Partnern aus Planung, Bauhandwerk oder Wissenschaft konkrete Best-Practice-Beiträge, die durchweg auf realen Projekten basierten. Im Mittelpunkt standen nicht abstrakte Modelle, sondern gelebte Zusammenarbeit – und die Frage, wie digitale Methoden im Zusammenspiel der Akteure echten Mehrwert schaffen.
Technologien erleben: Die Offene Werkstatt
Nach dem inhaltlichen Input stand das Erleben im Mittelpunkt: In der „Offenen Werkstatt“ präsentierten zahlreiche Ausstellende digitale Anwendungen live vor Ort. Gezeigt wurden unter anderem Robotik im Ziegelmauerwerk, 3D-Druck auf dem Bau, Scan2BIM, digitale Bestandsaufnahmen mit Drohne sowie digitale Massenermittlung auf 2D-PDF-Grundlage. Das Interesse war groß – nicht nur an der Technik, sondern vor allem am Dialog: Architektinnen und Architekten, Handwerkerinnen und Handwerker sowie Softwareentwickler kamen ins Gespräch über konkrete Anforderungen und mögliche gemeinsame Lösungen.
Auch das Thema Qualifizierung war Teil des Programms: Markus Maasberg und Julia Behm stellten den BIM-Lehrgang der Akademie für Fort- und Weiterbildung der Bayerischen Architektenkammer vor. Die zentrale Botschaft: Es gibt keinen „niedrigschwelligen Einstieg“ in BIM. Wer sich für die Methode entscheidet, entscheidet sich für eine umfassende Auseinandersetzung mit digitalen Prozessen – inhaltlich, methodisch und organisatorisch. Der vorgestellte Lehrgang unterstützt dabei, diesen Schritt professionell zu gestalten.
Fazit: Digitalisierung ist Teamleistung
Der Regionale Erfahrungsaustausch hat einmal mehr gezeigt, dass Digitalisierung im Bauwesen nicht allein durch Technologien vorangetrieben wird – sondern vor allem durch Menschen, die bereit sind, Wissen zu teilen, Rollen neu zu denken und Verantwortung gemeinsam zu tragen. Wo Kooperation gelingt, wird BIM zum Werkzeug für mehr Qualität, Effizienz und Transparenz im gesamten Bauprozess.
Beim abschließenden Get-together im Garten der Bayerischen Architektenkammer wurde dieser Gedanke fortgeführt – in persönlichen Gesprächen, im fachlichen Austausch und mit dem gemeinsamen Ziel, die digitale Transformation am Bau partnerschaftlich zu gestalten.
