15.12.2025

Leichte Sprache aus erster Hand: Einblick in die Praxis

Leichte Sprache und Unterstützte Kommunikation

Ein Gespräch mit der Erfahrungsexpertin Maria Hütter-Songailo vom Fach-Zentrum für Leichte Sprache der CAB Caritas darüber, wie die Leichte Sprache ihre Arbeit und ihr Leben prägt. Ein spannender Blick hinter die Kulisse.

Die Prüferin Maria Hütter-Songailo setzt sich mit viel Engangement für die Leichte Sprache ein
Eine Frau hält eine pinke Sprechblase mit der handschriftlichen Aufschrift „Hä, was steht da?“ und lächelt in die Kamera.

Die Prüferin Maria Hütter-Songailo setzt sich mit viel Engangement für die Leichte Sprache ein

Foto: CABkom

Leichte Sprache öffnet Türen zu Informationen, zu Selbstbestimmung und zu echter Teilhabe. In Augsburg arbeitet das Team im Fach-Zentrum für Leichte Sprache seit Jahren dran, diese Erkenntnis mit großer Überzeugung voranzubringen. Dort wird nicht nur übersetzt, geprüft und geschult, sondern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten wichtige Bewusstseinsarbeit. Das Fach-Zentrum für Leichte Sprache ist Teil der CABkom, ein Bereich der CAB Caritas, in dem auch die Unterstützte Kommunikation angesiedelt ist. Beide Bereiche sind organisatorisch eng verbunden, teilen Know-how und arbeiten bei Bedarf zusammen – etwa bei Schulungen oder der Erstellung von Materialien. Diese Struktur ermöglicht es, Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen optimale Angebote zu machen. Eine der Personen, die diese wichtige Arbeit aktiv mitgestaltet, ist Maria Hütter-Songailo. Sie ist Prüferin, Co-Dozentin, Erfahrungsexpertin und Beraterin für Leichte Sprache bei der CABkom und zusätzlich als Beraterin im Team der Beratungsstelle Barrierefreiheit tätig. Sie selbst hat Lernschwierigkeiten und eine Sehbehinderung. Sie erläutert also nicht nur mit Fachwissen, sondern gleichzeitig aus der Sicht einer Nutzerin, was mit Leichter Sprache erreicht werden kann. Im Interview berichtet sie ganz offen über ihren schwierigen Weg, ihr Engagement und ihre Leidenschaft für die Leichte Sprache.

Geprüfte Texte in Leichter Sprache bekommen einen Stempel
Eine Prüferin sitzt am Tisch. Vor ihr liegt ein Text in Leichter Sprache mit Bild. Sie hält einen Stempel, um den Text als geprüft zu markieren. Daneben ein oranger Marker.

Geprüfte Texte in Leichter Sprache bekommen einen Stempel

Foto: Julia Merkel

Wie läuft eine Übersetzung in Leichte Sprache und eine Textprüfung ab? Worauf achten Sie dabei besonders?

„Als erstes bekommen unsere Übersetzer für Leichte Sprache einen Text in schwieriger, also normaler, Sprache. Ihre Aufgabe ist es, den Text in Leichte Sprache zu übersetzen. Dafür gibt es feste Regeln. Wir arbeiten nach den Regeln des Netzwerks Leichte Sprache e.V. Dazu gehört auch, dass zu den Texten Bilder hinzugefügt werden, damit man sie besser verstehen kann. Dann kommt das Lektorat, also eine zweite Übersetzerin kontrolliert, ob alle Regeln eingehalten wurden. Dann kommen wir Prüfer. Wir schauen genau: Verstehe ich alle Wörter? Sind die Sätze klar? Passt das Bild dazu? Ein Bild darf nicht verwirren. Wenn im Text Weihnachten steht, kann nicht ein Bus abgebildet sein. Wir prüfen immer zu zweit. Es kann ja sein, dass ich etwas verstehe, aber eine andere Person vielleicht nicht.“

Was passiert, wenn Sie etwas nicht verstehen?

„Dann streiche ich das Bild oder das Wort orange an und gebe den Übersetzern den Text wieder zurück. Dazu ist aber Mut ganz wichtig. Man muss sich trauen zu sagen: Ich verstehe das nicht. Viele trauen sich das erstmal nicht – aber das gehört dazu. Ich sage das auch den neuen Prüferinnen und Prüfern: Sprecht es aus. Nur so wird der Text besser. Mir fällt das mittlerweile leichter als früher.“

Welche Projekte machen Ihnen besonders Freude? Und bekommen Sie manchmal eine Rückmeldung von den Auftraggebern?

„Ich mag Kulturprojekte – Theater, Museen. Beim Brecht-Festival habe ich gern geprüft, auch wenn es viel und manchmal auch anstrengend war. Rückmeldungen bekomme ich bei Schulungen. Viele sagen dann: Das hat uns gutgetan. Jetzt wissen wir, worauf wir achten müssen. Manchmal sehe ich die Leute bei einer nächsten Schulung wieder, das freut mich.“

Sie sind auch als Beraterin für die Beratungsstelle Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer tätig.

„Ja, ich berate als Beraterin im inklusiven Team, wenn Leute Fragen zur Leichten Sprache haben, zum Beispiel zu Prüfungen, Schulungen oder allgemein. Das mache ich zusammen mit einer Kollegin. Wir ergänzen uns da gut.“

Haben Sie eine Botschaft? Was ist ihnen wichtig?

„Ich sage immer: Einfach anfangen. Leichte Sprache hilft vielen. Und dranbleiben. Nicht aufgeben. Ich möchte anderen Mut machen.“

Autorin: Bettina Sigmund