20.04.2026

Kommunikationshilfen bei degenerativen Erkrankungen

Leichte Sprache und Unterstützte Kommunikation

Eine Vielzahl von Personen mit einer erworbenen Hirnschädigung nutzt Hilfsmittel der Unterstützten Kommunikation (UK) als expressives Hilfsmittel. Das bedeutet, dass diese Personen aufgrund von einer erworbenen degenerativen Erkrankung, wie z.B.  Morbus Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ihre Sprachorgane nicht mehr ausreichend kontrollieren können und somit nicht mehr verständlich verbal kommunizieren können.

Deshalb nutzen vieler dieser Personen Hilfsmittel der Unterstützten Kommunikation, um damit ihre individuellen Einschränkungen auszugleichen und ihre verbale Kommunikation zu ergänzen, oder sie im fortschreitenden Verlauf ihrer Erkrankung zu   ersetzen.

Häufig setzen betroffene Personen  ihre Hilfsmittel zur Kommunikation anfangs vorrangig als Ergänzung zu ihrer Lautsprache ein, um bei fortschreitendem Verlauf ihre Kommunikation damit zu ersetzen.

Wie kann Unterstützte Kommunikation bei degenerativen Erkrankungen helfen?

Hilfsmittel der UK können z.B. dann helfen, wenn bei einer Person eine Einschränkung im Bereich der Artikulation, z.B. eine verwaschene Aussprache oder eine Einschränkung in der Phonation - die betroffene Person spricht z.B. sehr leise, mit monotoner zittriger, oder „brüchiger“ Stimme – vorliegt.

Mögliche passende Hilfsmittel sind in diesen Fällen elektronische Sprachausgabegeräte wie z.B. sprechende Tasten oder sogenannte Talker sein. Diese können je nach den motorischen Fähigkeiten der Person auf unterschiedliche Art und Weise angesteuert werden. Die Möglichkeiten zum Ansteuern reichen dabei von der Bedienung mit einzelnen Fingern, über Kopfschalter bis hin zu Blickbewegungen mit den Augen (Augensteuerung).

Für die Finanzierung von solchen Hilfsmitteln sind in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen zuständig. (Verlinkung Blogpost 12.03.2024 Wie bekomme ich eine Kommunikationshilfe?)

Ebenso ermöglichen nicht-elektronische Kommunikationshilfen, non-verbal Informationen schnell weiterzugeben oder Hilfe einzufordern. Diese können z.B. Buchstabentafeln, Notfall-Blätter oder Kommunikationstafeln sein.

Dabei sind jeweils wieder die motorischen Fähigkeiten der Person zur Ansteuerung sowie ihre Sehfähigkeit zu beachten. Je nachdem wie stark die Einschränkungen dabei sind, muss das angebotene Material in Größe, Anordnung und Farbigkeit der Buchstaben-, Wort- oder Bildfelder anders gestaltet sein, so dass es gut für die Person zu nutzen und zu erkennen ist.

Auch sollte man bedenken, dass möglicherweise mit Fortschreiten einer degenerativen Erkrankung das Verständnis für Schriftsprache abnimmt und deshalb entsprechend anderweitig/ergänzend z.B. über Bildmaterial, z. B. in Form von Piktogrammen, (s. Blogpost 31.05.2024 Piktogramme – Ganz einfach zu verstehen?) kommuniziert werden muss.

Praktische Ideen für den Alltag mit UK

  • Einsatz einer sprechenden Taste neben dem Telefon, um in Notfallsituationen selbständig über das Telefon Hilfe rufen zu können
  • portable Kommunikationstafel mit den wichtigsten Sätzen zur Selbständigkeit im Alltag, z.B. bei Spaziergängen, am Rollator, Rollstuhl, etc.
  • Nutzung einer Buchstabentafel, um einem (vertrauten) Kommunikationspartner durch Deuten auf Zeichen ein Wort zu buchstabieren
  • Assistenz beim Schreiben von Wörtern durch das Partner-Scanning , das bedeutet „eine Person übernimmt die Funktion des Scanning-Indikators, in dem sie z.B. nacheinander alle Buchstaben des Alphabets äußert, eine Wortliste vorliest oder mit den Fingern nacheinander auf die Felder einer Kommunikationstafel zeigt. Der unterstützt kommunizierende Partner reagiert mit einem vorher vereinbarten Signal, wenn das von ihm Gewählte gesagt oder gezeigt wird. (Bober, Wachsmuth, 2010)
  • Einsatz des persönlichen Smartphones mit integrierter Sprachausgabe (Stichwort „Bedienungshilfen“ in den Einstellungen oder Nutzung von sog. Apps mit der Funktion „Text-to-Speech“)

    Text: Ina Jacobs, CAB Caritas

    Quelle: Bober, Allmuth; Dr. Wachsmuth, Susanne: Lexikon der Unterstützten Kommunikation. In: Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation. https://www.gesellschaft-uk.org/ueber-uk/lexikon-der-uk.html#s. Zugriff am 13.04.2026