10.03.2026

Gut gegliedert statt nur schön formatiert: Prüfschritt „Inhalte gegliedert“ einfach und praktisch erklärt

Digitale Barrierefreiheit

Stiftung Pfennigparade
Zwei Personen am Laptop zwischen ihnen Symbole für Textabsätze, Rollstuhl, Auge, Ohr, Einstellungen

Stiftung Pfennigparade

Wer in einer Online‑Redaktion arbeitet, verbringt viel Zeit im CMS: Texte schreiben, formatieren, Bilder einfügen. Dabei gerät schnell in den Hintergrund, dass schon kleine Entscheidungen bei der Formatierung darüber bestimmen, ob Menschen mit Screenreader oder anderen Hilfsmitteln Ihre Inhalte gut nutzen können.

Die gute Nachricht: Dafür müssen Sie nicht programmieren können. Das übernehmen die Kollegen in der IT-Abteilung. Entscheidend ist, die Funktionen Ihres Editors bewusst einzusetzen – sei es das, was das System selbst anbietet, oder was Ihre Entwickler bereitgestellt haben.

Worum geht es bei „Inhalt gegliedert“?

Ziel ist, dass Ihre Texte nicht nur schön aussehen, sondern auch klar strukturiert sind – und zwar so, dass Technik diese Struktur erkennen kann.

Das bedeutet für Sie im CMS im Wesentlichen:

  • Für jeden Sinnabschnitt einen richtigen Absatz anlegen
  • Keine „Pseudo-Absätze“ über mehrere Zeilenumbrüche
  • Wichtige Wörter oder Sätze mit der vorgesehenen Hervorhebungs-Funktion markieren. Beispielsweise “strong” = fett markieren oder “em” = kursiv schreiben.

Ihr CMS wandelt diese Entscheidungen im Hintergrund in HTML um. Wenn Sie die richtigen Formatierungen wählen, ist Ihr Text automatisch deutlich barriereärmer.

Warum ist das wichtig?

Viele Menschen können den Inhalt einer Webseite nicht „normal“ auf dem Bildschirm lesen. Zum Beispiel:

  • Screenreader-Nutzende lassen sich den Text vorlesen.
  • Manche lesen mit einer Braillezeile.
  • Andere nutzen sehr große Schrift oder eigene Darstellungen.

Diese Nutzerinnen und Nutzer springen von Absatz zu Absatz oder lassen Abschnitte überspringen. Das funktioniert nur gut, wenn Ihr Text wirklich in sinnvolle Absätze aufgeteilt ist – und diese Absätze im Editor auch als solche angelegt wurden.

Wenn Absätze nur dadurch entstehen, dass mehrmals „Enter“ oder „Zeilenumbruch“ gedrückt wird, kann das für Hilfsmittel wie ein chaotischer Textblock wirken: mit unnötigen Pausen, Leerräumen und Bruchstücken. Das macht das Verstehen mühsam.

Konkrete Do’s & Don’ts im Redaktionsalltag

1. Absätze richtig anlegen

So machen Sie es richtig:

  • Nutzen Sie immer die Absatz-Funktion Ihres Editors (oft „Absatz“, „Paragraph“ oder einfach der Standard-Textstil).
  • Ein klarer Gedanke = ein Absatz. Lieber mehr, dafür kürzere Absätze.

Vermeiden Sie:

  • Neue „Absätze“ erzeugen, indem Sie zwei- oder dreimal hintereinander Enter drücken oder oft „Shift+Enter“ (Zeilenumbruch) verwenden.
  • Mehrere leere Zeilen einfügen, nur um optisch mehr Abstand zu schaffen.
  • Abstände sind Sache des Layouts, nicht des Texts.

2. Hervorhebungen sinnvoll nutzen

Gut für Barrierefreiheit:

  • Verwenden Sie die Fett- oder Kursiv-Funktion Ihres Editors, wenn ein Wort oder Satzteil wirklich inhaltlich betont werden soll.
  • Setzen Sie Hervorhebungen sparsam: Nur dort, wo sich dadurch die Aussage verändert oder etwas wirklich wichtig ist.

Problematisch:
Lange Textpassagen komplett fett markieren, nur weil es „stärker“ aussieht.

3. Layout-Tricks, die Sie besser lassen

Bitte vermeiden Sie:

  • Leerzeichen als Gestaltungsmittel
  • Keine Spalten, Einzüge oder Ausrichtung erzeugen, indem Sie viele Leerzeichen nacheinander setzen.
  • Trennlinien aus Zeichen
  • Keine Zeilen mit lauter Bindestrichen oder Unterstrichen („———“) als „Linie“ verwenden. Wenn eine Linie nötig ist, nutzen Sie die eingebaute Funktion Ihres Editors oder stimmen Sie sich mit der IT-Abteilung ab.

Ihre Praxis-Checkliste vor dem Veröffentlichen

Stellen Sie sich vor dem Klick auf „Veröffentlichen“ kurz diese Fragen:

  1. Sind meine Texte in sinnvolle, eher kurze Absätze unterteilt?
  2. Habe ich Absätze mit der Absatz-Funktion angelegt – und nicht über mehrere Zeilenumbrüche?
  3. Sind Hervorhebungen gezielt und sparsam eingesetzt, über die vorgesehenen Formatierungen?
  4. Habe ich auf Tricks mit Leerzeichen oder Zeichenreihen zur Gestaltung verzichtet?

Wenn Sie diese Punkte beachten, leisten Sie als Online-Redaktion einen wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit: Ihre Inhalte werden leichter zu verstehen, besser zu navigieren und für deutlich mehr Menschen gut nutzbar – ganz ohne, dass Sie eine einzige Zeile Code schreiben müssen.

Text: Stiftung Pfennigparade