Gaming ohne Grenzen: Was barrierefreies Gaming mit Architektur zu tun hat
Planen und Bauen
Das Initiative „Gaming ohne Grenzen“ zeigt, wie inklusives Design im Gaming gelingt und Teilhabe stärkt. Und sie macht sichtbar, wie sehr sich Zugänglichkeit im Detail entscheidet: in der Steuerung, den Interfaces und den Anpassungsmöglichkeiten.
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Wer denkt, virtuelle Welten wären automatisch barrierefrei, täuscht sich: Auch in digitalen Räumen können Hürden entstehen – etwa durch komplexe Steuerung, fehlende Anpassungsmöglichkeiten oder mangelnde Orientierung.
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Individuell angepasste Steuerungen machen Gaming auch für Menschen mit komplexen motorischen Einschränkungen zugänglich und zeigen, wie inklusives Design in der Praxis funktioniert.

Digitale Räume als neue Orte der Teilhabe
Digitale Spiele schaffen komplexe virtuelle Räume: Städte, Landschaften, Gebäude oder ganze Fantasiewelten. Spielerinnen und Spieler bewegen sich darin, orientieren sich, lösen Aufgaben und interagieren mit anderen. In gewisser Weise ähneln diese virtuellen Umgebungen realen Räumen – auch sie müssen verständlich strukturiert, zugänglich und intuitiv nutzbar sein. Für Menschen mit Behinderungen können jedoch auch in digitalen Welten Barrieren entstehen. Kleine Schriftgrößen, fehlende Untertitel, unübersichtliche Menüs oder komplizierte Steuerungen führen dazu, dass Spiele schwer oder gar nicht nutzbar sind.
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Programme, Werkzeuge und bestimmte Controller tragen dazu bei, bei motorischen Einschränkungen Barrieren in digitalen Spielen zu überwinden. Hier: links Xbox Adaptive Controller, rechts Hori Flex Controller von Nintendo

Ein Netzwerk für inklusives Gaming
Das Netzwerk „Barrierefreies Gaming“ bringt Gamerinnen und Gamer mit Behinderung, Medienpädagoginnen und -pädagogen, Entwicklerinnen und Entwickler sowie weitere Interessierte zusammen. Gemeinsam beschäftigen sie sich mit der Frage, wie Spiele zugänglicher gestaltet werden können. Ein wichtiger Bestandteil der Initiative sind Spieletest-Gruppen. Jugendliche und junge Erwachsene testen gemeinsam digitale Spiele und untersuchen sie auf ihre Barrierefreiheit. Dabei geht es unter anderem um Fragen wie: Sind wichtige Informationen visuell oder akustisch gut wahrnehmbar? Gibt es alternative Steuerungsmöglichkeiten? Lassen sich Schriftgrößen, Farben oder Kontraste anpassen? Können Spielerinnen und Spieler sich gut orientieren? Die Ergebnisse werden dokumentiert und veröffentlicht. Dadurch entsteht ein wachsender Wissenspool über barrierefreies Gaming.
Parallelen zur barrierefreien Architektur
Viele Aspekte barrierefreier Spiele erinnern an Prinzipien, die auch in Architektur und Stadtplanung eine zentrale Rolle spielen. Gute Orientierung, klare Strukturen, verständliche Wegeführungen oder flexible Nutzungsmöglichkeiten sind sowohl in realen als auch in virtuellen Räumen entscheidend. So wie taktile Leitsysteme oder kontrastreiche Gestaltung Menschen mit Sehbeeinträchtigungen helfen, sich in Gebäuden zurechtzufinden, können beispielsweise Audiodeskriptionen oder anpassbare Interface-Elemente den Zugang zu digitalen Spielwelten erleichtern. Auch das Prinzip des Universal Designs verbindet beide Bereiche. Wenn Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht wird, profitieren letztlich alle Nutzerinnen und Nutzer. Gaming ist für viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein wichtiger Bestandteil ihrer Freizeit. Online-Spiele sind Treffpunkt, Kommunikationsraum und gemeinsames Erlebnis. Wenn digitale Spielräume barrierefrei gestaltet werden, eröffnen sie neue Möglichkeiten der Teilhabe. Initiativen wie „Gaming ohne Grenzen“erweitern den Blick auf Barrierefreiheit.
Text: Bettina Sigmund
Über Gaming ohne Grenzen



