13.08.2025

Bunte Legorampen – ein kreatives Signal, um auf Barrierefreiheit aufmerksam zu machen

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Eine zweispurige Auffahrhilfe aus bunten Legosteinen in Hamburg
Zwei Rampen aus Legosteinen im Abstand der Reifen eines Rollstuhl führen auf eine etwa 20 cm hohe Eingangsstufe.

Eine zweispurige Auffahrhilfe aus bunten Legosteinen in Hamburg

Foto: @die_Lego_Oma

In vielen Städten tauchen sie seit Jahren immer wieder auf: kleine, bunte Rampen aus Legosteinen, die provisorisch an Treppenstufen befestigt sind. Sie sind farbenfroh, auffällig und ziehen die Blicke auf sich. Was auf den ersten Blick wie ein spielerisches Kunstwerk aussieht, hat einen ernsten Hintergrund – und ein noch ernsteres Ziel: Aufmerksamkeit für Barrieren schaffen, die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen alltäglich begegnen.

Mehr als ein Gag: Die Idee hinter den Legorampen

Die wohl bekannteste Vertreterin dieser Idee ist Rita Ebel aus Hanau, vielen inzwischen besser bekannt als die „Lego-Oma“. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen baut sie seit mehreren Jahren unterschiedliche Rampen aus gebrauchten Legosteinen. Ihr Ziel: nicht nur symbolisch Wege ebnen, sondern sichtbar machen, wo reale Hürden bestehen. Über 100 Rampen hat sie bereits gebaut und aufgestellt – in Hanau, aber auch weit darüber hinaus. Ihre Bauanleitungen sind inzwischen in mehreren Sprachen im Umlauf.

Kleine Schwellen spielend leicht überbrücken
Eine kleine bunte Rampe aus Legosteinen liegt vor einer Schwelle mit nur etwa 3 cm Höhe. Im Hintergrund die Räder eines Rollstuhls.

Kleine Schwellen spielend leicht überbrücken

Foto: @die_Lego_Oma

Sichtbar machen, wo Teilhabe fehlt

Eines gelingt den Legorampen ganz hervorragend: Sie schaffen Sichtbarkeit. Ihre Farben, ihre ungewöhnliche Form, ihr „Kinderspielzeug-Charakter“ – all das macht sie zu echten Gesprächsanlässen. Und genau das ist wichtig: Wer über Barrierefreiheit spricht, hilft mit, sie voranzutreiben. Die Beratungsstelle Barrierefreiheit begrüßt das gesellschaftliche Engagement hinter solchen Initiativen ausdrücklich. Gleichzeitig ist es aber wichtig, zu betonen: Eine Lego-Rampe ist keine baulich funktionale Lösung. Sie entspricht nicht den Anforderungen der geltenden DIN-Normen für barrierefreies Bauen, etwa in Bezug auf Rutschsicherheit, Steigungswinkel oder Traglast. In diesem Sinne ersetzen Lego-Rampen keine professionell geplante und ausgeführte Rampe – aber sie zeigen, wo eine solche dringend notwendig wäre. Rita Ebel, selbst auf einen Rollstuhl angewiesen, ist sich dieser Thematik aber selbstverständlich bewusst und erklärt: „Wir nennen unsere Rampen deswegen auch „Auffahrhilfen". Denn für Auffahrhilfen gibt es keine gesetzliche Bestimmung in Bezug auf Steigung etc.“ Somit entsteht auch gar nicht erst der Eindruck einer normgerechten Rampe.

Rita Ebel in ihrer Lego-Werkstatt. Die Steine werden mit Silikonkleber dauerhaft verklebt und fest zusammen gehämmert
Die Seniorin sitzt mit Arbeitskittel hinter einen Werktisch, darauf unzählige Kisten mit unterschiedlichen Legosteinen. Neben ihr liegen Silikonspritzen, in der Hand hält sie einen großen Hammer.

Rita Ebel in ihrer Lego-Werkstatt. Die Steine werden mit Silikonkleber dauerhaft verklebt und fest zusammen gehämmert

Foto: @die_Lego_Oma

Legorampen als Platzhalter und Denkanstoß

Man kann Legorampen als eine Art Replik verstehen: Sie stehen symbolisch dort, wo eigentlich eine echte, normgerechte Rampe hingehört. Sie machen deutlich: Hier fehlt noch etwas. Und sie tun das mit einer Leichtigkeit, die Menschen anspricht und für das Thema sensibilisiert – ohne zu belehren oder mit dem Finger zu zeigen. In dieser Funktion leisten Legorampen einen enorm wertvollen Beitrag: Sie sind ein Weckruf in Farbe. Die Initiative von Rita Ebel und ihren vielen – mittlerweile sogar internationalen – Nachahmern und Nachahmerinnen zeigt, wie viel gesellschaftliches Potenzial im Miteinander steckt – und dass es oft gar nicht viel braucht, um einen Anstoß zum Umdenken zu geben.

Die Beratungsstelle Barrierefreiheit weist darauf hin, Lego-Rampen und -Auffahrhilfen nicht als dauerhafte, funktionale Lösung zu verstehen. Sie sind kreative Intervention zur Bewusstseinsbildung und ein inspirierendes Beispiel dafür, wie Inklusion auf ungewöhnliche Weise sichtbar gemacht werden kann. Sie haben Fragen zur DIN-gerechten Umsetzung barrierefreier Maßnahmen? Das Beraterteam der Bayerischen Architektenkammer unterstützt Sie kompetent und praxisnah – von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung.