20.01.2026

Bundesteilhabepreis 2026 – Fokus auf den Berufseinstieg

Digitale Barrierefreiheit Planen und Bauen Leichte Sprache und Unterstützte Kommunikation Soziale Fragen & Förderungen

Der Einstieg ins Berufsleben ist eine entscheidende Weichenstellung. Für viele junge Menschen mit Behinderungen entscheidet sich hier, ob Teilhabe am Arbeitsmarkt Realität wird – oder ob gut gemeinte Förderketten im Übergang abbrechen. Dass der Bundesteilhabepreis 2026 genau diesen Übergang in den Mittelpunkt stellt, ist deshalb mehr als eine thematische Setzung: Es ist ein deutliches Signal.

Signet Bundesteilhabepreis

Foto: Bundesfachstelle Barrierefreiheit

Der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ausgelobte Preis richtet den Fokus auf das, was vielerorts bereits gelingt: praxisnahe Lösungen für einen inklusiven Berufseinstieg, entwickelt und getragen von Akteuren vor Ort. Übergänge sind der blinde Fleck der Inklusion. In den vergangenen Jahren wurden viele Fortschritte in der beruflichen Bildung erzielt – doch der Übergang in reguläre Beschäftigung bleibt für junge Menschen mit Behinderungen oft fragil. Zuständigkeiten wechseln, Unterstützungsstrukturen enden, Betriebe fühlen sich allein gelassen. Genau hier zeigt sich, ob Inklusion systemisch gedacht wird oder am Einzelfall hängen bleibt. Der Bundesteilhabepreis 2026 lenkt den Blick deshalb auf Projekte, die diese Brüche ernst nehmen und Übergänge aktiv gestalten: durch Kooperationen, durch kontinuierliche Begleitung oder durch neue Rollenverständnisse zwischen Bildungsträgern, Betrieben und Unterstützungssystemen.

Studien zur Teilhabe junger Menschen

Wie dringend dieser Fokus ist, zeigen beispielsweise auch Befunde aus dem Inklusionsbarometer Jugend der Aktion Mensch. Die Studie aus dem Jahr 2024 macht deutlich, dass junge Menschen mit Beeinträchtigungen in zentralen Lebensbereichen deutlich geringere Teilhabechancen haben als Gleichaltrige ohne Beeinträchtigung – insbesondere mit Blick auf Selbstbestimmung, gesellschaftliche Anerkennung und Zukunftsperspektiven. Gerade an Übergängen im Lebenslauf – etwa beim Einstieg in Ausbildung oder Beruf – besteht die Gefahr, dass sich bestehende Benachteiligungen weiter verfestigen. Ein inklusiv gestalteter Berufseinstieg ist daher nicht nur eine arbeitsmarktpolitische Frage, sondern ein entscheidender Faktor für gleichberechtigte Teilhabe junger Menschen insgesamt.

Inklusionsbarometer Jugend. Eine Studie zu ungleichen Teilhabechancen von jungen Menschen in Deutschland, Bonn
Inklusionsbarometer Jugend

Inklusionsbarometer Jugend. Eine Studie zu ungleichen Teilhabechancen von jungen Menschen in Deutschland, Bonn

Foto: Aktion Mensch

Gute Praxis statt Modellversprechen – jetzt bewerben!

Bemerkenswert ist, dass der Preis nicht nach visionären Konzepten sucht, sondern nach erprobter Praxis. Ausgezeichnet werden Ansätze, die im Alltag funktionieren – auch unter realistischen Rahmenbedingungen. Für Kommunen, Beratungsstellen und Fachakteure liegt hierin der eigentliche Wert: Nicht das eine „Leuchtturmprojekt“ steht im Mittelpunkt, sondern übertragbare Lösungen, die andernorts adaptiert werden können.

Der Preis richtet sich an Akteure, die den Übergang junger Menschen mit Behinderungen von der beruflichen Bildung in den allgemeinen Arbeitsmarkt konkret und praxisnah gestalten. Bewerben können sich unter anderem Träger der beruflichen Bildung, Akteure des Arbeitsmarkts, Kammern, Kommunen, Verwaltungen sowie Vereine, Verbände und regionale Netzwerke. Voraussetzung ist, dass es sich um bereits umgesetzte oder laufende Projekte handelt, deren Ansätze sich in der Praxis bewährt haben. Der Preis ist mit insgesamt 17.500 Euro dotiert und wird im Rahmen der Inklusionstage 2026 in Berlin verliehen. Bewerbungsschluss ist der 8. Februar 2026.

Relevanz für Beratung, Planung und Umsetzung

Für Beratungsstellen, für kommunale Koordinierungsstellen und für Akteure an der Schnittstelle von Bildung und Arbeit bietet der Bundesteilhabepreis einen wichtigen Fundus: Welche Formen der Begleitung funktionieren über den Ausbildungsabschluss hinaus? Wie können Betriebe frühzeitig eingebunden und unterstützt werden? Welche Rolle spielen barrierefreie Arbeitsplätze, Kommunikation und Organisationskultur beim Berufseinstieg? Die ausgezeichneten Projekte werden auf Frage wie diese keine abstrakten Antworten liefern, sondern konkrete Erfahrungswerte. Ein Gewinn für alle, die Teilhabe strategisch weiterentwickeln wollen. Indem der Bundesteilhabepreis 2026  gelungene Beispiele hervorhebt, stärkt er den fachlichen Diskurs und ermutigt dazu, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Er wird zu einer Art Seismograf: Er zeigt, wo Inklusion im Berufsleben bereits gelingt – und welche strukturellen Voraussetzungen dafür notwendig sind.

Text: Bettina Sigmund

Weitere Informationen zu Teilnahmebedingungen und Verfahren stellt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bereit:
https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Initiative-Sozialraum-Inklusiv/Bundesteilhabepreis/Bundesteilhabepreis-2026

Weitere Informationen zum Jugendbarometer:
https://www.aktion-mensch.de/inklusion/studien/inklusionsbarometer-jugend#kernergebnisse