04.05.2026

Barrierefrei unterwegs – Umbau und Erweiterung der Archäologischen Staatssammlung München

Planen und Bauen

Die stimmungsvoll beleuchteten Museumsvitrinen präsentieren archäologische Artefakte aus unterschiedlichen Epochen – von Keramikgefäßen über Schmuck bis hin zu Werkzeugen und Ritualobjekten.
Museumsraums mit mehreren quadratischen Glasvitrinen im Boden, die archäologische Funde wie Keramik, Knochen und Werkzeuge zeigen. Raum ist in dunklen Tönen gehalten, Vitrinen sind gleichmäßig angeordnet und beleuchtet, um Details der Exponate hervorzuheben.

Die stimmungsvoll beleuchteten Museumsvitrinen präsentieren archäologische Artefakte aus unterschiedlichen Epochen – von Keramikgefäßen über Schmuck bis hin zu Werkzeugen und Ritualobjekten.

Foto: Stefanie Friedrich

Barrierefreier Umbau im Bestand zwischen Denkmalschutz, Erweiterung und neuen Nutzungsanforderungen

Im Rahmen der Veranstaltung „Barrierefrei unterwegs“ wurde der Umbau der Archäologischen Staatssammlung am 24. März 2026 als praxisnahes Beispiel für barrierefreies Bauen im Bestand vorgestellt. Das Projekt verdeutlicht die komplexen Anforderungen, die sich aus der Verbindung von denkmalähnlicher Substanz, funktionaler Neuordnung und zeitgemäßen Anforderungen an Inklusion ergeben. Neben der behutsamen Anpassung des Bestands wurde das Museum um zusätzliche Ausstellungsflächen erweitert. Diese sind insbesondere für Sonderausstellungen konzipiert und ermöglichen durch ihre flexible Gestaltung eine individuelle Anpassung an unterschiedliche kuratorische und barrierefreie Anforderungen. Damit wird bereits auf Planungsebene eine variable Nutzbarkeit im Sinne einer inklusiven Gestaltung mitgedacht.

Zum Zeitpunkt der Exkursion konnten Besucherinnen und Besucher auf der Sonderausstellungsfläche die Ausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ erleben. Das Kolosseum in Rom bot als Symbol des römischen Imperiums die passende Bühne für Gladiatorenkämpfe.
Modell eines römischen Kolosseums in einem Museum, präsentiert in einer gläsernen Vitrine mit erläuterndem Text und großem Wandbild im Hintergrund. Darstellung zeigt architektonische Details wie Bögen und Sitzreihen, illustriert historische Bedeutung und Bauweise des antiken Amphitheaters.

Zum Zeitpunkt der Exkursion konnten Besucherinnen und Besucher auf der Sonderausstellungsfläche die Ausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ erleben. Das Kolosseum in Rom bot als Symbol des römischen Imperiums die passende Bühne für Gladiatorenkämpfe.

Foto: Beratungsstelle Barrierefreiheit

Inklusive Vermittlung durch das Zwei-Sinne-Prinzip und gestalterische Herausforderungen im Ausstellungsraum

Ein wesentliches Planungsprinzip stellt das sogenannte Zwei-Sinne-Prinzip dar: Informationen sollen grundsätzlich über mindestens zwei Wahrnehmungskanäle zugänglich sein. Im musealen Kontext betrifft dies insbesondere die visuelle und auditive Vermittlung, ergänzt durch taktile Angebote. Die Umsetzung dieses Prinzips steht jedoch häufig im Spannungsfeld gestalterischer Anforderungen – etwa bei der Inszenierung von Ausstellungsräumen mit bewusst gedämpften Lichtverhältnissen. Hier gilt es, Orientierung, Sicherheit und Aufenthaltsqualität gleichermaßen zu gewährleisten.

Die barrierefreie Ausstellungsgestaltung macht das Zwei Sinne Prinzip erfahrbar, indem visuelle Wahrnehmung mit unterstützender Orientierung sowie durch Erlebnisstationen ergänzt wird.
Holztreppe mit integrierter LED-Beleuchtung entlang der Handläufe und Stufen. Warme Lichtakzente heben klare Linien und minimalistisches Design in einem Innenraum hervor.

Die barrierefreie Ausstellungsgestaltung macht das Zwei Sinne Prinzip erfahrbar, indem visuelle Wahrnehmung mit unterstützender Orientierung sowie durch Erlebnisstationen ergänzt wird.

Foto: Stefanie Friedrich
Die barrierefreie Ausstellungsgestaltung macht das Zwei Sinne Prinzip erfahrbar, indem visuelle Wahrnehmung mit unterstützender Orientierung sowie durch Erlebnisstationen ergänzt wird.
Museumsraums mit drei beleuchteten Vitrinen, die archäologische Fundstücke wie Keramik, Schmuck und Werkzeuge präsentieren. Im Vordergrund steht ein runder, interaktiver Tisch mit digitalen Projektionen.

Die barrierefreie Ausstellungsgestaltung macht das Zwei Sinne Prinzip erfahrbar, indem visuelle Wahrnehmung mit unterstützender Orientierung sowie durch Erlebnisstationen ergänzt wird.

Foto: Stefanie Friedrich

Barrierefreie Erschließung, Serviceangebote und Sicherheitskonzepte für eine umfassende Zugänglichkeit

Auch die Erschließung neuer Bereiche wurde unter barrierefreien Gesichtspunkten konsequent umgesetzt. So ist das Café auf der Dachterrasse mittels Plattformlift erreichbar und erweitert das Nutzungsspektrum des Museums um einen barrierefrei zugänglichen Aufenthaltsort. Ergänzend zu den baulichen Maßnahmen wurde ein differenziertes Angebot an Unterstützungsleistungen integriert. Dazu zählen unter anderem Audioguides zur auditiven Vermittlung von Inhalten sowie die Möglichkeit, Rollstühle und mobile Sitzhocker auszuleihen. Diese Angebote tragen wesentlich dazu bei, unterschiedliche Bedürfnisse von Besucherinnen und Besuchern zu berücksichtigen und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Sicherheitsaspekte wurden im Rahmen eines umfassenden Rettungskonzepts berücksichtigt, das die Belange von Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen einbezieht und eine Evakuierung im Gefahrenfall sicherstellt.

Barrierefreiheit

Im Zuge der barrierefreien Ausgestaltung wurde das Blindenleitsystem vom Vorplatz bis zum Kassentresen verlegt.
Außenbereich der Staatssammlung mit taktilem Leitsystem welches zum automatischen Türöffner und der Eingangstür führt.

Im Zuge der barrierefreien Ausgestaltung wurde das Blindenleitsystem vom Vorplatz bis zum Kassentresen verlegt.

Foto: Stefanie Friedrich
Mittels Plattformlift können Rollstuhlfahrende den Museumsrundgang auf der Dachterrasse des Cafés ausklingen lassen.
Treppe mit Holzstufen und einem an der Wand montierten Plattformlift für Barrierefreiheit. Plattformlift ist in eingefahrenem Zustand, grau lackiert, mit Handlauf und Metallgeländer an der Wand.

Mittels Plattformlift können Rollstuhlfahrende den Museumsrundgang auf der Dachterrasse des Cafés ausklingen lassen.

Foto: Stefanie Friedrich

Praxisnahe Einblicke, hohe Relevanz und Ausblick auf weitere Veranstaltungen

Die Führung durch das Gebäude, begleitet durch das Staatliche Bauamt sowie einen Berater der Beratungsstelle Barrierefreiheit, ermöglichte den Teilnehmenden einen unmittelbaren Einblick in die planerischen und baulichen Lösungen. Die Veranstaltung zeichnete sich durch eine hohe Praxisorientierung aus und bot wertvolle Impulse für die Umsetzung barrierefreier Konzepte in vergleichbaren Projekten. Die positive Resonanz der Teilnehmenden unterstreicht die Relevanz des Themas: Barrierefreiheit ist wichtiger Bestandteil in der Architektur und insbesondere im Bestand eine anspruchsvolle, aber zentrale Planungsaufgabe. Weitere Termine im Rahmen der Veranstaltungsreihe sind bereits in Planung und werden in Kürze auf den entsprechenden Veranstaltungsseiten veröffentlicht. Folgen Sie unseren Social-Media-Kanälen, um stets über aktuelle Termine und Neuigkeiten informiert zu bleiben.

Text: Freya Hesener, ByAK