01.09.2025

09/2025 Nachhaltige Mobilität für Quartier und Gebäude

Planen und Bauen Klimaschutz

Dem Themenbereich Mobilität kommt beim nachhaltigen Planen und Bauen zunehmend eine Schlüsselrolle zu. Aus der Sicht des Klimaschutzes stellt der Verkehrssektor mit einem Anteil von 22% an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland den drittgrößten Verursacher des Klimawandels dar, noch deutlich vor dem Gebäudesektor (UBA 2024). Zudem stellt Mobilität eine wesentliche Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe dar, für Inklusion und soziale Gerechtigkeit. Um das Ziel der nachhaltigen Architektur verwirklichen zu können, baukulturell wertvolle, lebenswerte Quartiere und Gebäude zu schaffen, ist es daher notwendig, Mobilitätskonzepte integriert und sinnvoll in den Entwurf einfließen zu lassen.

Auf den unterschiedlichen Maßstabsebenen erscheinen unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll, um in den Planungen von Quartieren, Gebäuden oder Innenräumen berücksichtigt zu werden.

Verkehrsvermeidung durch Nutzungsmischung auf Quartiersebene

So kann auf Quartiersebene ein wesentlicher Aspekt der Verkehrsvermeidung sein, als planerische Lösung das Angebot einer großen Nutzungsmischung zu schaffen, z.B. aus Wohnen, Arbeiten, Nahversorgung und fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten bis hin zur wohnungsnahen Erholung. Hier gewinnt auch die Mehrfachnutzung von Räumen an Bedeutung, beispielsweise multicodierte Freiflächen, Erschließungsflächen als Shared Spaces oder auch Co-Working Spaces als zusätzliche raumbildende Angebote für neue Arbeitswelten im Quartier.

Umplanung öffentlicher Räume in Kooperation mit der Stadtplanung

Ihre Grenzen finden diese Konzepte jedoch in der vorgesehenen städtebaulichen Gebietskategorie und sind deshalb in enger Kooperation mit der zuständigen Stadtplanungsstelle (z.B. kommunales Bauamt, Stadtplanungsamt) zu entwickeln. In diesem Zusammenhang sind auch Umwidmungen von bestehenden KFZ-Stellflächen im öffentlichen Raum zugunsten von Begrünung und erhöhter Aufenthaltsqualität denkbar. Dies kann in Kombination mit sinnvollen lokalen Mobilitätsalternativen zu einer deutlichen Verkehrsreduktion im Quartier führen. Hier kann auch die Vernetzung von Quartieren miteinander, wie bei den Superblocks in Barcelona oder den Low Traffic Neighbourhoods in London, einen großmaßstäblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Mobilität für alle

Die Aspekte Generationengerechtigkeit und Inklusion bilden wiederum die Brücke zwischen der städtebaulichen, der Quartiers- und der Gebäudeebene. Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Mobilitätsangeboten sind hier relevante Parameter der sozialen Gerechtigkeit. Dies beginnt schon beim kostenfreien Angebot von Sitzmöglichkeiten, als maßgeblicher Beitrag zur Fußgehenden-Freundlichkeit, und reicht bis hin zum kostengünstigen Angebot von Sharing-Mobility Konzepten, wie Leih-Fahrräder oder Car-Sharing. Hier ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor die ästhetische Integration dieser Angebote in den Gesamtentwurf.

Be- und Entschleunigung als Gestaltungsprinzip

Ein häufig unbeachteter Faktor ist die Be- und Entschleunigung von Räumen durch ihre Nutzung, die wesentlich die Lebensqualität im Quartier bestimmt. Freianlagen können z.B. in Spielbereiche für Kinder, entschleunigte Aufenthaltsbereiche mit Verweilmöglichkeiten oder Bewegungsbereiche wie Wege und Erschließungszonen für unterschiedlich schnelle Mobilitätsmodi gegliedert werden und somit einen zusätzlichen Beitrag zu lebenswerten und verkehrssicheren Quartieren leisten.

Stärkung der Mobilität durch Schnittstellen auf Gebäudeebene

Auch auf Gebäudeebene kann eine dementsprechende Zonierung der Nutzungen sinnvoll sein, z.B. durch Gemeinschaftsräume, Gruppen- und Spielbereiche oder individuelle Aufenthaltszonen. Hier gewinnen die Schnittstellen zur Mobilität besondere Bedeutung, wie großflächige Erschließungs- und Abstellbereich sowie Reparaturmöglichkeiten. Dies können Angebote wie Ladeinfrastrukturen und Abstellmöglichkeiten für elektrisch betriebene Seniorenmobile, E-Bikes bzw. Lastenfahrräder oder Sharing-PKWs für Hausgemeinschaften sein, ebenso wie integrierte Reparaturstationen oder ein Werkraum für die Pflege und Reparatur von Fahrzeugen.

Eine integrierte Betrachtung hilft, die unterschiedlichen Planungsmaßstäbe Kommune, Quartier und Gebäude zu vernetzen und vielfältige Angebote zu schaffen.

Autor: Gero Suhner

Weiterführende Links

UBA (2024) Klimaschutz im Verkehr

Barcelona Superblock

Low Traffic Neighbourhoods London 

Klimaresilientes Quartier Krügelpark, Grabow + Zech Architekten und Ingenieure GmbH; Grosser-Seeger&Partner mbB (Landaschaftsarchitektur)  

[Links zuletzt aufgerufen am 19.08.2025]

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