10.01.2023

Leichte Sprache – Was ist das? Und warum ist sie wichtig?

Leichte Sprache und Unterstützte Kommunikation

Vielleicht haben Sie auf der ein oder anderen Homepage schon den Hinweis „Leichte Sprache“ entdeckt oder der Begriff ist Ihnen anderswo begegnet? Doch was hat es damit auf sich?

Was ist Leichte Sprache und warum braucht es so etwas wie die Leichte Sprache? Und was hat Leichte Sprache mit Barrierefreiheit zu tun?

Antworten auf diese Fragen geben wir in diesem Blogbeitrag.

Leichte Sprache ist eine besonders leicht verständliche Sprach-Variante.

Hintergrund davon ist: Nicht alle Menschen können Texte in Standardsprache verstehen, beispielsweise, weil zu viele Fachbegriffe genutzt werden, weil die Satzkonstruktionen zu kompliziert sind oder weil die Gestaltung zu unübersichtlich ist. Auch eine komplexe Sprache kann eine Barriere sein, sie kann Menschen die Selbstbestimmung verwehren und sie aus der Gesellschaft ausschließen. Bei dem Begriff „Barrieren“ denken wir oftmals zunächst an Treppen oder hohe Bordsteinkanten, aber auch die deutsche Standardsprache – einmal ganz abgesehen von den verschiedenen Fachsprachen – ist für viele Menschen eine Barriere und die Leichte Sprache somit ein Beitrag zur Barrierefreiheit.

Frau liest Zeitung in Standard-Sprache.

Foto: Tanja Blum

Zielgruppe der Leichten Sprache sind allen voran Menschen mit Lernschwierigkeiten, also Menschen mit sogenannter leichter geistiger Behinderung. Aber auch anderen Personengruppen kann die Leichte Sprache zu Gute kommen, z. B. Menschen, die gerade Deutsch lernen oder Menschen mit Demenzerkrankung.

Regeln, Regeln, Regeln…

Die Leichte Sprache versteht sich als Zusatzangebot und ist nach festen Regeln aufgebaut. Im deutschsprachigen Raum gibt es verschiedene Regelwerke, die viele Übereinstimmungen, jedoch auch kleine Unterschiede aufweisen. Zu nennen sind hier z. B. „Leichte Sprache – Das Regelbuch“ von Dr. Christiane Maaß oder das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache e. V.

Die Regeln beziehen sich auf die Wort-, die Zeichen-, die Satz- und die Textebene sowie auf die Gestaltung. So sollten Fach- und Fremdwörter vermieden oder erklärt werden und die Sätze möglichst kurz sein und nur eine Aussage enthalten. Auf Passivkonstruktionen sollte verzichtet und die Texte sollten übersichtlich gestaltet und klar strukturiert werden, z. B. indem jeder Satz in einer neuen Zeile beginnt und es viele Zwischenüberschriften und ergänzende Bilder gibt. Abzugrenzen ist die Leichte Sprache von der einfachen Sprache, für welche es keine strikten Regeln gibt.

Das Netzwerk Leichte Sprache – in dem auch wir Mitglied sind – setzt sich zudem dafür ein, dass alle Texte in Leichter Sprache in inklusiver Zusammenarbeit entstehen. Konkret bedeutet das, dass Menschen ohne Lernschwierigkeiten Texte nach den Regeln der Leichten Sprache erstellen und Menschen mit Lernschwierigkeiten diese Texte auf Verständlichkeit hin überprüfen. Erst wenn es keine Verständnisprobleme mehr gibt, wird ein Text veröffentlicht.

Eine Prüferin für Leichte Sprache markiert schwierige Wörter mit einem Textmarker.

Eine Prüferin für Leichte Sprache markiert schwierige Wörter.

Foto: Julia Merkel

Aber warum ist die Leichte Sprache nun so wichtig?

Kurz wurde es schon angesprochen: Leichte Sprache macht Informationen zugänglich. Nur wenn man Informationen zu einem Thema verstehen kann, kann man sich eine eigene Meinung bilden und eigene Entscheidungen treffen. Nur wenn man Informationen zu einem Thema verstehen kann, kann man mit anderen Menschen über dieses Thema sprechen und sich einbringen. Leichte Sprache fördert Selbstbestimmung und Teilhabe.

Hände halten Schilder mit dem Wort Teilhabe und mit dem Paragrafen-Zeichen.

Foto: Tanja Blum

Tanja, eine Prüferin und Nutzerin der Leichten Sprache, erzählt:

„Ich war mal bei einer Tagung, da waren auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, aber die [Rednerinnen und Redner] haben nicht in Leichter Sprache gesprochen. Das fand ich echt schwierig, weil wenn die so viel in schwerer Sprache sprechen, dann kannst du dich irgendwann nicht mehr konzentrieren und du wirst müde, weil du das irgendwann nicht mehr hören kannst. Wenn es da Leichte Sprache gegeben hätte, dann hätte man viel mehr Lust, da mitzumachen und so hat es nicht wirklich Spaß gemacht. Also ich glaube, es ist schon ein riesen Unterschied, wenn man viel in Leichter Sprache macht, dann hat man mehr Spaß, mehr Freude als wenn man was anhören muss, was in schwerer Sprache ist. Weil man sich da einfach wohlfühlt und das, was die reden, auch versteht. Wir Menschen mit Lernschwierigkeiten verstehen die Sachen halt nicht und in Leichter Sprache ist das viel besser, das kommt dann viel besser an.

Ich finde die Leichte Sprache wichtig und bin froh, dass ich sie kennengelernt habe. Ich finde es spannend, was es in der Leichten Sprache alles gibt und dass ich sogar Spaß am Lesen habe, das hatte ich früher nicht so. Mit der Zeit tut man sich einfach entwickeln und ändern, man wird mutiger, man ist stolz, man erreicht viel wegen Leichter Sprache.“

Autorin: Tanja Blum, CAB gGmbH

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